Über den Trauerfall (1)
Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Karin Weiss, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.
Karin Weiss
15.06.2015 um 12:03 Uhr von NordbayerischerMenschen, die in der Öffentlichkeit stehen, bekommen Nachrufe geschrieben, wenn sie sterben. Da steht dann die Auflistung ihrer Lebensleistungen mit angemessener Betroffenheit. Was aber ist mit denen, deren Leistungen für die Öffentlichkeit sich nicht so klar bemessen lassen? Die weder Bücher geschrieben, neue Behandlungsmethoden entdeckt noch Leinwände gewinnbringend bemalt haben? Die Tag für Tag der gleichen Tätigkeit nachgegangen sind? Die durch ihr Wirken im Hintergrund die Institutionen haben funktionieren lassen? Mit jenen Menschen, die durch ihre alltäglich verrichtete Arbeit die schönen, die Feiertagsmomente ermöglichen? Die, mit all ihren komplizierten Leben und biografischen Brüchen, die noch kompliziertere Lebenslagen anderer mit Interesse begrüßt haben. Richtiger wäre zu sagen: Mit Interesse und freundlicher Neugier, jenen Gaben, die die Welt zu einem menschlichen Ort machen.
Wie Karin Weiss. Kartenverkäuferin und guter Geist des Iwalewahauses. Um Karin Weiss, die in dieser Woche verstorben ist, trauern viele Menschen auf der ganzen Welt: Künstler und Wissenschaftler, die als Gäste an dem von ihr reichlich bestückten Küchentisch im Iwalewahaus zusammenkamen. Karin Weiss stand in der Dankesliste vieler Ausstellungen – ohne sie wäre viel weniger möglich gewesen – an der Münzgasse und, so war der Plan, nun im neuen Haus an der Wölfelstraße. Oft gab es Mittwoch nachmittags Nussecken. „So was wie Familie”: So hat sie diese einzigartige Gemeinschaft von Leuten von überall her einmal genannt. Zum Kern dieser Familie gehörte ihr Iwalewahaus.
Das Iwalewahaus, diese einzigartige Bayreuther Institution als Zentrum für die Künste der Welt, kannte Karin Weiss wie nur wenige. Ulli Beier hatte sie kennengelernt; sie hatte Direktoren kommen und gehen sehen — und ein Gespür für die Bewegungen im und am Haus entwickelt wie keine Zweite. „Ich hätte doch meine Memoiren schreiben sollen”, sagte sie kürzlich. Gut, dass sie den Jüngeren häufig von den alten Zeiten, von Mythos und Wahrheit erzählt hat. Sie hatte die Erinnerung daran mit einigem Kampfgeist in die Gegenwart gerettet. Beim letzten Gespräch reckte sie zum Abschied die Faust aus dem hellen Laken in ihrem lichten Zimmer im Bayreuther Krankenhaus.
?Katharina Fink